Die Königsfrage

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Die Königsfrage

Als Jeschua (Jesus) im Garten Gethsemane festgenommen wurde, hieb Simon Petrus dem Diener des Hohepriesters ein Ohr ab. Hier ist ein kleines Bibelquiz: Wie lautete der Name des Dieners? Richtig – Malchus. Hier ist noch eine Frage: Was bedeutet dieser Name?

Die Evangelisten verfassten die Evangelien auf Griechisch, aber ihre Muttersprache war Hebräisch. Der Name Malchus hat im Griechischen keine Bedeutung. Der Name lautet eigentlich Melech. Melech מ-ל-כ bedeutet auf Hebräisch “König”.

Es scheint mir, dass Johannes dieses Detail erwähnt hat, um einen symbolischen Hinweis darauf zu geben, dass die nächsten beiden Kapitel von Jeschua als König sprechen. Die Kapitel 18 und 19 des Johannesevangeliums liefern die tiefgründigste geistliche Darlegung von Jeschuas Rolle als König, die es gibt.

Diese Darlegung hat fünf Teile:

  1. Pilatus verhört Jeschua
  2. Die Soldaten verspotten Ihn
  3. Die Volksmenge skandiert Seine Ablehnung
  4. Die Loyalität der Hohenpriester gegenüber dem Kaiser
  5. Die Aufschrift über dem Kreuz.

Die Untersuchung beginnt mit einer Frage.

Joh 18,33 – Pilatus fragte Jeschua: “Bist du der König der Juden?”

Statt mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten, fragt Jeschua Pilatus, was der Hintergrund seiner Frage ist. Der Grund, warum Jeschua Pilatus das fragt, ist, dass dessen Frage zwei Aspekte hat:

  1. Bist du eine politische Figur, die einen Aufstand gegen den Kaiser anführt? Die Antwort ist nein.
  2. Bist du eine andere Art von König? Die Antwort ist ja.

Deshalb müssen wir uns in bezug auf die zwei Seiten dieser Angelegenheit auch klar ausdrücken. Wir führen keinen bewaffneten Aufstand an. Aber wir verkünden den Messias, der der gesalbte König ist und Gottes Herrschaft repräsentiert.

Jeschua sagt Pilatus, dass Er tatsächlich ein König ist. Sein Königreich hat seinen Ursprung im Himmel (Joh 18,36). Es hat eine vom Himmel gegebene Vollmacht, die die Macht der politischen Regierungen dieser Welt übersteigt (Joh 19,11). Sein Königreich ist auf geistlicher Wahrheit gegründet (Joh 18,37). Dieses Königreich mit seiner vom Himmel gegebenen Vollmacht und geistlichen Wahrheit wird alle Regierungen dieser Welt übernehmen, wenn Jeschua wiederkommt.

Nach dem Gespräch mit Pilatus beginnen seine Soldaten, Jeschua zu misshandeln.

Joh 19,2-3 – Die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und warfen ihm ein Purpurgewand um;  und sie kamen zu ihm und sagten: „Sei gegrüßt, König der Juden!“

Diese bizarre Verspottung Jeschuas war eigentlich ein Spiegelbild der Wirklichkeit. Sie war wie eine Theaterdarbietung in umgekehrter Form. Eines Tages werden alle Soldaten dieser Welt, sowie alle anderen, die politische, wirtschaftliche und militärische Macht ausüben, sich vor Jeschua verbeugen und Ihn als ihren König und Herrn anerkennen.

Das Evangelium verkündet die Botschaft dass „jedes Knie sich beugen wird“ (Jes 45,23; Phil 2,10). Jeschua wird im geistlichen Sinn zum König erklärt. Alle Menschen sind dazu aufgerufen, sich Ihm unterzuordnen. Diejenigen, die Jeschua schon jetzt als König empfangen, werden in Sein Königreich eingeladen. Diejenigen, die Ihn jetzt verspotten, werden Ihn noch als König empfangen, aber dabei Strafe statt Segen erhalten.

In diesem Fall waren die Soldaten Römer, Heiden, die den Kaiser – ihren König – vertraten. Sie verspotteten Jeschua nicht nur als König, sondern auch als Juden; damit verspotteten sie auch das jüdische Volk. Für sie war dies nur ein weiteres Beispiel für die römische Oberherrschaft über die Juden.

Jeschua wird dann der Volksmenge aus drei verschiedenen Sichtweisen bzw. mit dreifacher Identität vorgestellt:

  1. Joh 19,5 – Siehe, der Mensch! “Ide Anthropos”
  2. Joh 19,7 – der Sohn Gottes, “Ihos Theos”
  3. Joh 19,14 – Siehe, euer König! “Ide Basileos”

Pilatus brachte Jeschua nach draussen vor die Menschenmenge. Er sagte: „Siehe, der Mensch!“ (Das griechische Wort für Mensch ist „Anthropos“, davon sind Wörter wie Anthropologie und Anthropomorphismus abgeleitet.) Der biblische Bezug reicht bis ganz zurück zu Adam, dem ersten Menschen. Hier ist Er, Jeschua, der das Drama und Trauma der ganzen Menschheit repräsentiert. Jeschua ist das vollendete menschliche Wesen.

Die Antwort der Menge lautet: “Kreuzige ihn!” Diese Verdrehung ist so tief und so bizarr. Dies sind Menschen, die die menschliche Rasse verfluchen. Dies sind Juden, die den vollendeten Juden – und damit sich selbst – verfluchen.

Dann sagen die Priester (cohanim), dass Er gekreuzigt werden soll, weil Er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat (Joh 19,7). Die Menge setzte sich mit Ihm als Menschen auseinander; die Soldaten setzten sich mit Ihm als König auseinander; die Priester setzten sich mit Ihm als Gottes Sohn auseinander. Jede Gruppe reagierte entsprechend ihrem ureigenen Anliegen.

Die Priester setzen ihre Bemühungen fort, Jeschua hinrichten zu lassen. Als sie sehen, dass Pilatus zögert, ändern sie ihre Taktik. Sie erkennen, dass das theologische Argument in bezug auf die göttliche Natur des Messias Pilatus nicht beeindruckt. Sie gehen dazu über, ihn in dem Bereich anzusprechen, in dem er verwundbar ist, nämlich im Hinblick auf seine Aufgabe, den Kaiser zu repräsentieren.

Joh 19,12 – Daraufhin suchte Pilatus ihn loszugeben. Die Juden aber schrien und sagten: Wenn du diesen losgibst, bist du des Kaisers Freund nicht; jeder, der sich selbst zum König macht, widersetzt sich dem Kaiser.

Die Priester verraten in gewisser Weise ihre eigene Aufgabe, indem sie Pilatus dazu auffordern, seine Aufgabe nicht zu verraten. Dann verleugnen sie ihren Glauben ganz und gar:

Joh 19,15 – Wir haben keinen König ausser dem Kaiser.

Diese Erklärung von jüdischen Priestern von JHWH ist völlig unverständlich [JHWH ist der unvokalisierte Eigenname Gottes im Alten Testament; Anm. des Übersetzers]. Sie entschieden sich für einen heidnischen Politiker statt für den jüdischen Gott; sie wählten einen heidnischen Tyrannen anstelle des jüdischen Königs. Diese Ablehnung Jeschuas war widersinnig und selbstzerstörerisch.

Das Drama vor der Kreuzigung nähert sich seinem Finale, als Pilatus Jeschua ausliefert, damit Er gekreuzigt wird, und den Soldaten befiehlt, über Seinem Kopf eine Aufschrift anzubringen, die auf ironische und offizielle Weise erklärt, dass Jeschua in der Tat der König der Juden ist.

Joh 19,19 – Pilatus schrieb aber auch eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.

Der Ort der Kreuzigung war an der Hauptstrasse, direkt vor dem Tor, das in die Stadt Jerusalem hineinführte. Deshalb sahen viele Menschen diese Aufschrift. Sie war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache geschrieben und war somit für alle Bevölkerungsgruppen im Reich des Kaisers verständlich.

Die Priester protestierten und sagten, dass dies als Bestätigung Seines Königtums verstanden werden könnte statt als Verurteilung Seiner Selbsterhöhung. Johannes berichtet, dass Pilatus antwortete: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“ (Joh 19,22). Johannes sieht Pilatus‘ Entscheidung als göttliches Eingreifen.

Aus Johannes’ Sicht spricht Pilatus prophetisch, auf ganz ähnliche Art und Weise, wie der Hohepriester Jeschuas Kreuzigung vorhergesagt hat (Joh 11,50). Diese Prophetie kommt vom Stellvertreter des Kaisers: Dieser Jeschua ist der Mann, der der König sein wird, der den Kaiser eines Tages ersetzen wird.

Am Kreuz betete Jeschua laut für die Vergebung unserer Sünden (Luk 23,34). Zusätzlich zu der gesprochenen Botschaft ist dort die geschriebene Botschaft, dass Jeschua der König der Juden ist. Durch die Worte Seines Mundes verkündet Jeschua unsere Errettung. Am selben Kreuz verkündet Pilatus durch die geschriebene Aufschrift Jeschuas Königreich. Wir empfangen sowohl die gesprochene als auch die geschriebene Botschaft: die Errettung und das Königreich.

Jeschua ist der Malchus, der König der Juden. Dies wurde im Himmel vorherbestimmt und dann vom römischen Statthalter öffentlich erklärt. Es ist legal; es ist offiziell; es ist festgelegt; es steht geschrieben.

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By | 2020-06-15T10:38:38+00:00 Juni 15th, 2020|Unkategorisiert|Comments Off on Die Königsfrage